Kurzinformation:

 

Nicht nur durch die ständig stänkernde Jungen-Clique aus ihrer Klasse, sondern auch durch sehr mysteriöse Umstände lernen sich die drei Hauptdarstellerinnen in meinem Kinderkrimi immer mehr kennen und stecken schon bald in einem gefährlichen Abenteuer, welches ganz Berlin in Atem hält. 

 

Cool und durchaus schon sexy. Umschwärmt von jedem fremden Mädchen, heimlich beneidet von nicht wenigen Jungen. Den Mitgliedern der Jungen-Clique könnte man auf Anhieb nichts Böses unterstellen. Aber sehen das wirklich alle so? 

 

Rainer Müller, in seiner Jugend der begehrteste Junggeselle aller Mädchen, inzwischen mit Anfang 40 der Traummann von Stefanie. Beruflich erfolgreich, glücklich verheiratet. Bis zu jenem Tag, als sein Vorgesetzter zu ihm ins Büro kam. Heute ist er verurteilt, geschieden und kommt vor lauter Kummer nicht mehr vom Alkohol weg. Dennoch kämpft er verzweifelt um Stefanie, denn sie ist noch immer seine Traumfrau.

 

 

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Die Hauptdarsteller:

 

Rieke Schneider:

Hallo, ich bin Rieke. Eigentlich heiße ich mit vollem Namen Rieke Schneider, aber wen interessiert das eigentlich? Also kurzum, ich bin Rieke. Ich habe mit meiner Mutter bis zu jenem Tag nicht in Berlin gewohnt. Bis zu jenem Tag war für mich die Welt auch noch in Ordnung. Ich hatte ein tolles eigenes Zimmer und viele tolle Freundinnen, mit denen ich immer viel Spaß hatte. Wir haben uns nicht nur in der Schule gesehen, nein, wir haben uns auch fast jeden Tag nach der Schule getroffen. Im Sommer haben wir viel Zeit auf irgendeinem Spielplatz verbracht und über alles Mögliche gequatscht, oder wir haben uns gegenseitig besucht und viele witzige Spiele gespielt. Manchmal sind wir auch zusammen ins Kino gegangen oder haben in einer Eisdiele Eis gegessen und heimlich die Leute beobachtet und dann laut kichernd über sie gelästert. Manchmal war mir das auch peinlich, aber hast du schon einmal leise gekichert, wenn die beste Freundin gerade etwas total Lustiges über diese Person am Nachbartisch gesagt hat? Ich glaube, das kennen die in der Eisdiele aber und haben wahrscheinlich genau deshalb diese riesigen Eiskarten erfunden, hinter denen man sich in genau in solchen Fällen dann wunderbar zu viert verstecken kann.

 

Ich hatte eine tolle Zeit dort und war bis zu jenem Tag ziemlich glücklich. Aber leider war das meine Mutter nicht. Sie war unglücklich. Ich wusste das und auch warum, habe mir aber nie einen Kopf darum gemacht, bis sie eines Tages beim Essen zu mir sagte, dass sie wieder nach Berlin will. Bei deiner Mutter heißt das wahrscheinlich: »Schneckchen, ich wünsche mir einen Tapetenwechsel. Was hältst du davon, wenn wir umziehen? Das wird doch bestimmt ganz schön. Du lernst viele neue Freundinnen kennen und kommst auf eine tolle neue Schule und bekommst ein viel schöneres Zimmer und, und, und ... Denk doch mal darüber nach.« Und mit viel Glück passiert dann gar nichts. Bei meiner Mutter heißt das aber: »Schneckchen, ich brauche einen Tapetenwechsel. Ich gebe dir zehn Minuten, dann hast du deine Sachen gepackt, denn der Umzugswagen steht nämlich schon unten.« Und du selbst streichst in Gedanken die drei Kreuze wieder aus deinem Kalender, die eigentlich für deinen Glückstag stehen sollten.

 

Wie? Das verstehst du jetzt nicht? Aber das ist doch ganz klar! Ich war davon ausgegangen, dass der Umzugswagen vor der Tür für den Auszug unserer blöden Nachbarin stand! Ich hatte mich nur gewundert, dass die genau das gleiche Sofa und exakt den gleichen Couchtisch hatte wie wir. Ich gebe dir daher einen guten Tipp, wenn du nach Hause kommst: Mach immer erst einmal einen Streifzug durch die Wohnung und kuck nach, ob noch alle Möbel da sind. Okay, also bis zu jenem Tag ging es mir super, genauer, bis ich angefangen habe, meine Sachen zu packen. Jetzt muss ich aber fair sein, denn wir sind nicht an diesem Tag umgezogen, sondern hauptsächlich nur unsere Möbel und ein paar Kisten. Meine Mutter hatte mir noch einen Tag Aufschub gegeben. Einen einzigen Tag, um mich von meinen allerbesten Freundinnen zwischen Sachenpacken noch zu verabschieden. Während meine Mutter immer aufgeregter wurde, wurde ich immer trauriger.

 

Am nächsten Tag sind meine Mutter und ich dann mit der Bahn und dem restlichen Gepäck nach Berlin gezogen. Das war der 1. Februar. So blöd, wie der Umzug auch war, muss ich aber doch mal etwas ganz Aufregendes loswerden. Hast du schon mal eine Verbrecherjagd hautnah miterlebt? Ich schon! In dem IC 2241 nach Berlin, kurz vor der Einfahrt des Zuges in den Bahnhof Berlin-Spandau. Das war irgendwie cool! Aber noch besser war, dass ich den Zettel gefunden habe, den der Verbrecher unter den Sitzen im Zug noch schnell vor der Polizei versteckt hatte. Aber was darauf steht, das verrate ich nicht, das kannst du ja selbst lesen.   

  

Luisa Braun:

Hi, ich bin Luisa, Luisa Braun, um genau zu sein. Und spare dir gleich deine Kommentare. Ich heiße weder Luisa Grün noch Luisa Schwarz oder Luisa Gelb. Kenne ich alles schon und ist so was von langweilig. Frieda ist übrigens meine Freundin und wir kennen uns schon seit der ersten Klasse. Na logisch habe ich noch andere Freundinnen, aber Frieda ist halt meine beste Freundin. Kennst du das? So eine mit der man durch dick und dünn gehen und mit der man viel Blödsinn anstellen kann. So eine, die in brenzligen Situationen zu dir hält und für die du dich auch mal kloppst, wenn sie in Not ist und du sie so retten kannst. Ja, genau so eine Freundin ist Frieda für mich. Wir gehen natürlich auch in dieselbe Klasse, aber wir sitzen nicht nebeneinander. Ich sitze ganz vorne und Frieda in der vorletzten Reihe. Warum, fragst du? Ähm, die Lehrer waren der Meinung, wir hätten zu viel gequatscht. Jetzt quatsche ich halt mit Roland oder mit Anna, die genau neben mir sitzen. Frieda muss halt bis zu den Pausen warten. Übrigens haben wir auch ein paar Idioten in unserer Klasse, die ärgern jeden. Thorsten ist der Anführer der Idioten, also der Oberidiot. Markus und Sebastian gehören mit in seine Clique und versuchen genauso blöd zu sein wie der Oberidiot, was ihnen meistens auch gelingt. Ulf gehört auch mit in die Clique, aber Ulf ist kein Idiot. Ulf ist ein Mitläufer, der vom Oberidioten nur aus einem ganz bestimmten Zweck in seiner Clique ›gehalten‹ wird. Leider merkt das Ulf aber nicht und sieht Thorsten als sein großes Idol an. Naja, Fakt ist aber: Weil Thorsten, Markus und Sebastian Frieda und mich früher auch schon so manches Mal geärgert haben, mussten wir auch das ein oder andere Mal schnell flüchten. War nicht immer schön, aber genau deshalb kennen wir die Schule viel besser als jeder andere, würde ich mal sagen. Hier gibt es Verstecke, geheime Gänge und versteckte Nischen, wie sie es wahrscheinlich an keiner anderen Schule gibt. Kein Abenteuerspielplatz bietet so viel Interessantes wie unsere Schule. Und übrigens drehen Frieda und ich den Spieß schon lange um, von Thorsten und Co. lassen wir uns schon lange nichts mehr gefallen! Aber nun gibt es ja auch die Neue in der Klasse. Die Neue sitzt genau neben Frieda und sagt fast nie ein Wort. Erst, als sie einmal fast zu spät zur Schule kam, durch die Klasse flog, weil der Idiot Sebastian ihr ein Bein gestellt hatte, haben Frieda und die Neue das erste Mal richtig miteinander gequasselt. Und dann kam eins zum anderen. Inzwischen finde ich die Neue eigentlich ganz nett, okay, mehr als nur nett; auch, wenn sie ganz schön schüchtern ist. Aber das werden Frieda und ich ihr noch austreiben, glaube ich zumindest. Natürlich haben Thorsten und Co. sie voll auf dem Kieker, aber wir sind ja auch nicht ohne und wissen uns schon zu wehren. Außerdem haben wir wegen seiner fiesen Art versehentlich etwas von Thorsten gekriegt, wovon wohl niemand etwas wissen sollte. Und das werden wir auch noch herauskriegen, woher der das hat, aber das steht alles in der Geschichte und wenn du das wissen willst, dann musst du wohl die Geschichte lesen. Wie? Du willst doch wissen, was wir von Thorsten haben? Also, ich werde mich schwer hüten, dir von der Münze zu erzählen. Oh, verdammter Mist! 

 

Frieda Klein:

Hallo, ich bin Frieda, Frieda Klein, habe rote Haare und trage trotzdem nicht den Spitznamen ›Pumuckel‹. Und um es gleich klarzustellen, klein bin ich auch nicht. Ich gehe noch zur Schule und die Schule ist in Berlin-Spandau. Mir gefällt die Ecke dort und ich habe viele Freundinnen. Mit den Jungs komme ich übrigens auch gut klar, habe aber trotzdem lieber meine Freundinnen. Naja, mit allen Jungs komme ich auch nicht gut klar. Wir haben da nämlich so eine ganz blöde Clique in der Klasse und mit denen kämst du auch nicht klar. Ach, die kennst du schon? Von Luisa? Aha, war ja klar, Luisa kann ja auch nichts für sich behalten. Luisa ist übrigens meine Freundin. Wie? Das weißt du auch schon? Na super! Und was soll ich jetzt erzählen? Mal nachdenken ... Okay, dann erzähle ich dir etwas von der Neuen. Rieke heißt sie und sitzt genau neben mir. Sag bloß, das kennst du jetzt auch schon? Okay, aber du kennst bestimmt noch nicht alles, oder? Siehst du! Also, bis zum Schulhalbjahr hatte ich Luisa als Sitznachbarin. Das war voll dufte. Wir hatten uns immer so viel zu erzählen und dafür hätten die Pausen und die gesamte Freizeit einfach nicht ausgereicht. Im Fachjargon heißt das ›Informationsaustausch‹, aber für diese Art von Bildung haben meine Lehrer einfach kein Verständnis. Weißt du, was sie immer gesagt haben? ›Luisa und Frieda. Hier vorne spielt die Musik!‹ Aber mal unter uns, wenn ich ins Konzert gewollt hätte, dann gehe ich in die Waldbühne und nicht zur Schule, oder machst du das anders? Jedenfalls waren sie der Meinung, unsere Art der Fachwissenaneignung abstellen zu müssen, und so mussten wir ab dem nächsten Halbjahr getrennt voneinander sitzen. Deshalb sitzt Luisa ganz vorne und ich noch immer hinten. Und als dann nach den Ferien die Schule wieder anfing, da stand dann die Krebs mit der Neuen in der Klasse, während wir uns zu unseren ergonomisch geformten Chefsesseln Marke ›Holzstuhl‹ schlichen. Ich musste zuerst ganz schön hinkucken, immerhin hatte sich ihre Gesichtsfarbe kaum von ihrer roten Jacke abgehoben, aber dann habe ich doch erkannt, dass sie ein Mädchen ist. Frau Krebs hat sie dann vorgestellt und sie gefragt, ob sie sich vielleicht neben Frieda, also neben mich, setzen möchte. Ich muss zugeben, dass ich mich schon so manches Mal über die Lehrer gewundert habe. Wieso fragt die Krebs eigentlich die Neue, ob sie sich vielleicht neben mich setzen will, wenn woanders eh kein Platz mehr frei ist? Verstehst du das? Okay, also die Neue sitzt jetzt neben mir. Ich habe sie heimlich während des Unterrichts beobachtet, weil ich zwischendurch einfach wissen wollte, ob sie noch da ist. Ich hatte nämlich genauso viel Platz wie vorher und gehört habe ich auch nichts von ihr. Da würdest du doch auch denken, dass sie sich zwischendurch in Luft aufgelöst hat, oder etwa nicht? 

 

Die Tage vergingen und Rieke war auch jeden Tag da, aber eigentlich auch wieder nicht, aus den eben genannten Gründen. So etwas kannte ich nicht. Ich war ja Luisa gewohnt und nicht so etwas wie die Neue. Da weiß man auch ja nicht, wie man damit umgehen soll. Die einzige Veränderung, die ich bemerkte, war, dass sie mit der Zeit immer später zur Schule kam. Und einmal kam sie sogar so spät, dass sie fast zu spät gekommen wäre. Mit hochrotem Gesicht kam sie in die Klasse gepeest und flog dann auch noch die letzten paar Meter durch den Gang, weil der Idiot Sebastian ihr ein Bein gestellt hatte. Klar hatten die Jungs aus der letzten Reihe spöttisch über sie gelacht. Da tat sie mir richtig leid und ab da war klar, dass jetzt einmal irgendwas anders werden muss. Und als ich dann auch noch gesehen habe, dass sie sich die Knie aufgeschürft hatte, da habe ich sie mir dann geschnappt und bin mit ihr gemeinsam aufs Klo zum Waschen gegangen. Ich glaube, dass sie sich schon viel früher die Knie hätte aufschlagen sollen, dann hätten wir uns mit Sicherheit auch viel schneller ›gefunden‹. 

 

Jedenfalls finde ich sie inzwischen richtig nett, auch wenn sie noch immer ein bisschen zu schüchtern ist. Inzwischen gehen wir sogar gemeinsam zur Schule, weil wir denselben Schulweg haben. Wir wohnen sogar in derselben Straße, das ist doch ein Zufall, oder? Aber weißt du, was ganz merkwürdig war? Sie hat so  eine ganz komische SMS gekriegt. Einfach so und keiner weiß, woher. Das ist doch komisch, oder? Das müssen wir unbedingt herauskriegen, von wem sie die hat. Immerhin sollte ihr letztes Stündlein schlagen und das ist schon ganz schön fies. 

 

Aber, wenn du das auch herauskriegen willst, dann musst du halt die Geschichte lesen, denn ich weiß das ja auch nicht, ob wir das schaffen, das herauszukriegen. Aber, auch wenn ich das wüsste, hätte ich es dir nicht verraten. Ich heiße ja nicht Luisa. Hups! Hoffentlich hat sie das jetzt nicht gehört.

 

Die Nebendarsteller:

  

Thorsten Krämer:

Sag mal, DIE tickt ja wohl nicht richtig! DIE kann mich mal kreuzweise! Da hat DIE mir doch gerade gesagt, dass ich etwas über mich erzählen soll. Sag mal, für wen hält DIE sich eigentlich? Was glaubt sie eigentlich, mit wem sie es hier zu tun hat? Wie? Du weißt nicht, wer DIE ist? Sag mal, fehlt dir Hirn oder was? Das ist doch ganz klar! DIE ist die, die ihren Namen in ganz Groß da oben auf die Homepage geschrieben hat. Aber das kann sie sich sonst wohin stecken. Von mir erfährst du gar nichts! Kein Sterbenswörtchen! Und tschüss.

 

Markus Schleicher:

Hey, soll ich dir mal etwas richtig Cooles verraten? Ja? Pass auf. Bei mir in der Klasse gibt es ein Mädchen, das heißt Conny. Vor ein paar Jahren, da hat sie mich immer so komisch angekuckt. Dabei hat sie immer so ein verklärtes Gesicht gezogen, als ob sie nicht mehr alle beisammen hat, und wie verrückt mit ihren Augenlidern geklimpert. »Oh Marki«, hat sie immer gesagt, »wollen wir uns einmal treffen?« Oder »Marki, du bist so süß«, oder was noch? »Marki? Ist neben dir noch ein Platz frei?« Dabei hätte sie doch wissen müssen, dass der für meinen Boss Thorsten reserviert ist. Die hatte den Schuss nicht mehr gehört. Die ging mir so was von auf den Keks, aber aufgehört hat sie auch nicht, im Gegenteil, die wurde immer aufdringlicher. Ich konnte das »Oh Marki« echt nicht mehr hören und beschloss, der Sache mal ein Ende zu machen. Klar hatte ich meine Kumpel mit dabei. Den Spaß wollten die sich auch nicht entgehen lassen. Ich überwand mich, Conny entgegenzukommen, und zeigte mit der Zeit immer mehr Interesse an ihr. Klar sprang sie voll darauf an und je mehr sie darauf ansprang, umso mehr Spaß hatte ich auch dabei, denn ich kannte ja das Ziel. Einen Monat habe ich mir ungefähr damit Zeit gelassen, sollte ja auch alles glaubwürdig sein, aber dann war es so weit. Ich hatte ihr ein Mondscheintreffen am See hinter dem Friedhof versprochen und was soll ich sagen, die war hellauf begeistert davon. Ich hatte vorher zwei Cola und ihre Lieblingskekse besorgt und wartete abends gegen acht an der Bushaltestelle bei der Hauptstraße auf sie. Ich muss zugeben, dass sie damals echt scharf aussah und ich schon beinahe von meinem Plan abgekommen wäre, aber ich habe gerade noch so die Kurve gekriegt. Wir gingen also tatsächlich Hand in Hand quasselnd durch die Seitenstraßen, bis wir über den Rosenweg den Wald erreichten. Der See ist nicht tief im Wald drin, man geht vielleicht nur zehn Minuten oder so. Wir haben also eine ganze Weile auf der Bank am See gesessen und sie hat geredet und geredet, während wir die Kekse gefuttert und die Cola getrunken haben. Zwei Stunden habe ich das mit der ausgehalten! Zwei Stunden, das war schon eine beachtliche Leistung bei so viel Geplapper. Dann beschlossen wir, gemeinsam zu gehen, und ich konnte sie überzeugen, dass die andere Bushaltestelle viel näher ist als die, von der ich sie abgeholt hatte. Das war Teil eins meines Plans. 

Zum zweiten Teil musste ich sie schon ganz schön überreden, aber ich habe mich ja auch ganz schön angestrengt, ihr Vertrauen zu gewinnen. Ich holte also meinen Dietrich heraus und schloss die Tür zum Friedhof auf. Ganz Kavalier legte ich sogar meinen Arm um ihre Schultern, und wie dankbar sie mich wieder mit ihrem verklärten Blick angekuckt hat. Wir mussten diagonal über den Friedhof und ich wollte mit ihr so ein bisschen die kleinen Wege langgehen, aber sie wollte eher die Hauptwege entlang. Also gab ich nach, wäre ja sonst auch aufgefallen, wenn ich zu sehr dagegengeredet hätte. Also gingen wir die Hauptwege Arm in Arm über den Friedhof, während der Mond noch immer hell am sternenklaren Himmel leuchtete. Und dann war es so weit, Teil drei zu beginnen.

Ich teilte ihr mit, dass wir uns ein bisschen beeilen müssten, weil ich einmal pinkeln müsste und ich sie aber auf keinen Fall hier allein auf dem Friedhof stehen lassen wollte. Allein schon für den zweiten Teil meines Satzes sah sie mich wieder so dankbar an, den Blick kann man gar nicht nachmachen. Das muss man einfach gesehen haben! Leider sollte mir das aber nicht gelingen, mein Bedürfnis so lange zurückzuhalten, und ich brachte ihr das schonend, aber sehr überzeugend bei. Ich versicherte ihr also, in drei Minuten wieder da zu sein.

Und jetzt konnte Teil vier beginnen, der Teil, auf den ich seit einem Monat drauf gewartet hatte. Und dazu braucht man auch gute Freunde und die hatte ich ja, denn Thorsten und Sebastian waren wie verabredet auch zur Stelle und unser Halloween konnte beginnen. Mann, war das cool, wie die Olle kreischend über den Friedhof gerannt ist. Das werde ich nie vergessen! Eine halbe Stunde hat sie uns den Spaß gegönnt, dann hatte sie leider den Zaun um den Friedhof erreicht und ist panisch darübergeklettert. Das ist noch heute Gesprächsthema Nummer eins, wenn wir uns über coole Erlebnisse austauschen. Soll ich dir noch etwas sagen? Conny kam eine ganze Woche nicht zur Schule und danach hatte ich ein für alle Mal Ruhe vor der. 

 

Sebastian Wilno:

Also, bevor ich mich hier zu irgendetwas äußere, will ich erst einmal etwas klarstellen. Das, was Luisa Plappermaul und Frieda Feuerkröte erzählt haben, musst du nicht gleich für voll nehmen. Nur weil ich hier als Nebendarsteller abgestempelt werde, heißt das noch lange nicht, dass du den hochwohlgeborenen Hauptdarstellern auch alles abnehmen musst. Was kann ich denn dafür, wenn die Neue zu blöd ist, ihre Botten anzuheben und auch nicht hinkuckt, wo sie hinläuft. Hätte sie ja mal besser aufpassen können! - Das hast du doch voll mit Absicht gemacht! Du hattest doch deine Treter erst ausgestreckt, als Rieke an dir vorbeiwollte! - Verdufte, du olle Feuerkröte! Das ist mein Part. Du hast hier gar nichts zu sagen. - So! Sie hat es kapiert, Frieda macht einen Abgang. So, und jetzt wieder zu uns. Ich bin der Dritte im Bunde unserer krassen Clique. Thorsten und Markus sind meine besten Freunde und mit denen ist es voll cool, irgendwo abzuhängen, herumzupöbeln oder den ein oder anderen so richtig schön einzuschüchtern. Wie die dann immer kucken, mit ihren überängstlichen Augen, den Tränen nahe und nicht mehr in der Lage, auch nur ein verständliches Wort zu sagen. Das ist cool, das macht Spaß. So kannst du jeden dazu bewegen, genau das zu machen, was du von ihm verlangst. Inzwischen haben wir fast die ganze Schule unter Kontrolle. Nicht die Lehrer. Die Mädchen und die Jungs habe ich gemeint. Oder die andere Möglichkeit ist die, wenn jemand ganz scharf darauf ist, unserer Clique beizutreten, dann erzählst du denen einfach, dass sie sich dafür aber erst einmal beweisen müssen, da ja nicht jeder einfach so bei uns aufgenommen wird. Und schon hast du mal wieder jemanden, der uns mit irgendetwas, was das Herz gerade begehrt, vom alten Fritz eindeckt. Klar wissen sie Bescheid, dass, wenn sie erwischt werden, sie gar keine Chance haben, bei uns aufgenommen zu werden. Und klar wissen sie auch Bescheid, dass sie, wenn sie erwischt werden, uns auf keinen Fall erwähnen dürfen. Und ich kann dir versichern, dass sich auch jeder bisher daran gehalten hat. Ach, du weißt ja nicht, wer der alte Fritz ist. Das ist ein ganz alter Knacker, der schon seit gefühlt hundert Jahren den kleinen Laden im nahen Einkaufszentrum bei der nächsten Bushaltestelle hat.

 

Ulf? Du willst wissen, was mit Ulf ist? Der zählt nicht wirklich zu unserer Clique. Ulf ist einfach eine richtige Lusche. Das war ja auch nicht meine Idee, Ulf mit in die Clique aufzunehmen, sondern Thorstens, und Thorsten ist gerissen. Der wird schon wissen, warum er das gemacht hat. Solange Ulf bei den richtig wichtigen Dingen außen vor bleibt, soll es mir egal sein.

 

Ulf Richter:

Ähm, ich bin Ulf und ich finde es megacool, in der Clique von Thorsten zu sein. Thorsten ist mein Boss und so was von cool, so möchte ich auch sein. Und Thorsten achtet mich. Das macht sonst keiner. Mit Thorsten bin ich endlich mal wer und ich fühle mich gut, verdammt gut sogar. Markus und Sebastian sind nicht ganz so dufte wie Thorsten, aber Thorsten ist ja der Boss, und schließlich wurde ich von Thorsten auserwählt, Mitglied in seiner Clique zu werden, und das ganz ohne die gefährliche Mutprobe. Warum fragst du? Weil Thorsten gesagt hat, dass ich etwas ganz Besonderes wäre!

 

Rainer Müller:

Hallo, ich bin Rainer Müller und ich war einmal richtig glücklich. Ich hatte einen richtig tollen Job, bei dem ich viel Geld verdient habe. Ich hatte eine wundervolle Frau, der ich von Herzen gern die Welt zu Füßen legte. Ich war mit meinem Leben rundum glücklich. Bis zu jenem Tag! Und plötzlich war alles aus. Jetzt habe ich keinen Job mehr und auch keine Stefanie. Stefanie war meine Traumfrau. Und so etwas tut weh, ganz tief drin. Jetzt habe ich nichts mehr! Moment, stimmt ja überhaupt nicht. Ich habe einen Riesenberg Schulden und einen neuen Titel, nur meiner lautet nicht Dr. oder Prof. oder RA, sondern Herr Verurteilter. Komm, lass uns darauf ein trinken.